01Was ist Legasthenie?
Legasthenie – fachlich Lese-Rechtschreib-Störung, kurz LRS – ist eine umschriebene Entwicklungsstörung. Betroffene haben anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen, beim Rechtschreiben oder bei beidem, obwohl Sehkraft, Hörvermögen, Intelligenz und schulische Förderung das nicht erwarten lassen. In Deutschland sind etwa ein bis zwei Kinder pro Schulklasse betroffen.
Legasthenie hat nichts mit Begabung, Faulheit oder mangelnder Mühe zu tun. Im Gehirn laufen bestimmte Verarbeitungsschritte anders ab als bei nicht-betroffenen Menschen; außerdem tritt sie familiär gehäuft auf. Sie verwächst sich auch nicht von selbst – aber mit der richtigen Förderung und passenden Hilfsmitteln können betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Schule, Ausbildung und Beruf erfolgreich sein.
Gut zu wissenDie Anzeichen weiter unten sind Orientierungshilfen, keine Diagnose. Einzelne Auffälligkeiten kommen in bestimmten Altersstufen ganz normal vor. Aufmerksam werden sollten Sie erst, wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen und über längere Zeit bestehen bleiben.
02Anzeichen im Vorschulalter
Schon bevor ein Kind lesen lernt, kann es Hinweise geben. In diesem Alter geht es weniger um Buchstaben als um den Umgang mit Sprache und Lauten.
Worauf Sie achten können
- Die Sprachentwicklung verläuft verzögert – erste Wörter und Sätze kommen spät.
- Das Kind tut sich schwer mit Reimen (zum Beispiel „Haus – Maus“).
- Es fällt schwer, einzelne Laute in einem Wort herauszuhören.
- Buchstaben, Zahlen, Farben oder Namen kann sich das Kind nur schwer merken.
- Ähnlich klingende Wörter werden häufig verwechselt.
- In der Familie gibt es bereits Legasthenie (bei Eltern oder Geschwistern).
03Anzeichen in der frühen Grundschule
Mit dem Schulbeginn und dem Lesenlernen zeigt sich eine Legasthenie meist zum ersten Mal deutlich. Die Lücke zwischen dem betroffenen Kind und seinen Mitschülerinnen und Mitschülern wird oft Woche für Woche größer.
Worauf Sie achten können
- Die Zuordnung von Buchstabe und Laut wird nur langsam und mühsam gelernt.
- Ähnliche Buchstaben (b/d, p/q) oder Laute werden über längere Zeit verwechselt.
- Das Kind liest stockend, rät Wörter oder lässt sie ganz aus.
- Beim Lesen verrutscht häufig die Zeile.
- Dasselbe Wort wird in einem Text mehrfach unterschiedlich geschrieben.
- Es zeigt sich ein deutlicher Widerwille gegen Lesen und Schreiben.
04Anzeichen in der weiterführenden Schule
Je höher die Klassenstufe, desto mehr Lernen läuft über geschriebene Texte. Eine Legasthenie zeigt sich dann fast überall: im Deutschunterricht, in den Sachfächern, in Fremdsprachen.
Worauf Sie achten können
- Das Lesetempo bleibt deutlich langsamer als bei Gleichaltrigen.
- Lautes Vorlesen wird vermieden, ebenso das Lesen im Allgemeinen.
- Texte werden schlecht verstanden, weil die ganze Energie ins Entziffern fließt.
- Trotz regelmäßigem Üben bleiben viele Rechtschreibfehler bestehen.
- Es klafft eine Lücke zwischen starker mündlicher und schwacher schriftlicher Leistung.
- Hausaufgaben und Klassenarbeiten dauern ungewöhnlich lange.
- Rund um die Schule treten Unlust, Bauchschmerzen oder Versagensängste auf.
05Anzeichen bei Jugendlichen und Erwachsenen
Eine Legasthenie verschwindet nicht mit dem Schulabschluss. Viele Betroffene entwickeln über die Jahre clevere Ausweichstrategien – deshalb bleibt sie im Erwachsenenalter oft lange unentdeckt.
Worauf Sie achten können
- Lesen bleibt langsam; Lesen vor anderen Menschen wird vermieden.
- Die Rechtschreibung bleibt unsicher; Korrekturprogramme werden stark gebraucht.
- Mitschreiben, Zusammenfassen oder das Ausfüllen von Formularen fällt schwer.
- Aufgaben mit viel Text oder unter Zeitdruck werden gemieden.
- Lesen und Schreiben kosten spürbar mehr Zeit und Kraft als andere.
- Häufig besteht ein geringes Selbstvertrauen, sobald es um Schriftliches geht.
06Was tun bei einem Verdacht?
Wenn Sie bei Ihrem Kind oder bei sich selbst mehrere dieser Anzeichen wiedererkennen, ist das kein Grund zur Panik – aber ein guter Moment, etwas zu tun. Diese Schritte sind erfahrungsgemäß sinnvoll:
1. Ruhe bewahren
Ein Verdacht ist noch keine Diagnose – und Legasthenie ist gut behandelbar. Druck und Vorwürfe machen das Problem in der Regel nur größer.
2. Das Gespräch mit der Schule suchen
Lehrkräfte beobachten das Kind in der konkreten Lernsituation. Tauschen Sie sich aus: Wie zeigen sich die Schwierigkeiten im Unterricht?
3. Eine fachliche Diagnostik einholen
Eine verlässliche Abklärung sollte von Fachleuten gemacht werden. Anlaufstellen sind unter anderem der schulpsychologische Dienst, Kinder- und Jugendpsychiatrien beziehungsweise -psychotherapien sowie spezialisierte Lerntherapeutinnen, Lerntherapeuten und LRS-Fachpraxen. Erwachsene wenden sich an psychologische oder psychotherapeutische Praxen mit entsprechendem Schwerpunkt.
4. Nachteilsausgleich klären
Schülerinnen und Schüler mit diagnostizierter LRS haben Anspruch auf einen Nachteilsausgleich – zum Beispiel mehr Zeit in Prüfungen oder die Nutzung von Hilfsmitteln. Die genauen Regelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland.
Je früher, desto besserEine frühe Förderung wirkt nachweislich am besten. Aber: Es ist nie zu spät. Auch Jugendliche und Erwachsene profitieren deutlich von gezielter Unterstützung und passenden Hilfsmitteln.
07Wie ein Vorlesestift im Alltag unterstützt
Neben Förderung und Lerntherapie helfen technische Hilfsmittel im Alltag. Sie gleichen die Lese-Hürde aus, statt sie zu umgehen – die Betroffenen bleiben aktiv am Text beteiligt. Ein Vorlesestift wird wie ein Textmarker über die Zeile geführt und liest den Text sofort vor: von Papier, aus Büchern, von Arbeitsblättern oder vom Bildschirm.
Das setzt Aufmerksamkeit frei, die sonst ins Entziffern fließt – und genau die fehlt sonst beim Verstehen. Texte gleichzeitig zu hören und mitzulesen verbessert nachweislich das Leseverständnis – ein gut belegter Effekt aus der Lesedidaktik.
Lesen ohne Huerden – selbststaendig, auch in Pruefungen
Der JOURIST Reader 3.0 ist ein Vorlesestift, der Texte in sechs Sprachen klar vorliest – von Papier, aus Buechern und vom Bildschirm. Er arbeitet vollstaendig offline und speichert keine Texte; dadurch laesst er sich auch als Nachteilsausgleich in Pruefungen einsetzen. Silbentrennung und Buchstabierfunktion helfen zusaetzlich, Wortmuster zu erkennen. So gewinnen Kinder, Jugendliche und Erwachsene Schritt fuer Schritt mehr Selbststaendigkeit.
Den JOURIST Reader 3.0 entdecken →08Haeufige Fragen
Ab welchem Alter lässt sich eine Legasthenie erkennen?
Erste Hinweise gibt es oft schon im Vorschulalter, etwa beim Reimen oder beim Heraushören von Lauten. Eine verlässliche Diagnose ist in der Regel ab der Mitte der 2. Klasse möglich, wenn der Leselernprozess weit genug fortgeschritten ist.
Verwächst sich eine Legasthenie mit der Zeit?
Nein. Eine Legasthenie bleibt grundsätzlich bestehen. Mit gezielter Förderung und passenden Hilfsmitteln lässt sie sich jedoch sehr gut ausgleichen, sodass Betroffene in Schule, Ausbildung und Beruf erfolgreich sein können.
Hat eine Legasthenie etwas mit Intelligenz zu tun?
Nein. Eine Legasthenie tritt unabhängig von der Intelligenz auf. Viele betroffene Kinder und Erwachsene sind durchschnittlich oder überdurchschnittlich begabt – die Schwierigkeit betrifft gezielt das Lesen und Rechtschreiben.
An wen kann ich mich bei einem Verdacht wenden?
Erste Ansprechpartner sind die Lehrkräfte und der schulpsychologische Dienst. Für die Diagnostik kommen außerdem Kinder- und Jugendpsychiatrien sowie spezialisierte Lerntherapeutinnen, Lerntherapeuten und LRS-Fachpraxen infrage.
HinweisDieser Beitrag dient der Information und Orientierung. Er ersetzt keine fachliche Diagnostik oder Beratung. Wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind Anzeichen einer Legasthenie vermuten, wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Fachstelle.